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Zum Wohle der Wesen - zum Erhalt der Kultur Tibets

 

"Ich habe den Eindruck, dass die Kultur Tibets mit seinem einmaligen Erbe, das durch die Anstrengung von zahllosen Menschen mit gutem Geist, durch den engen kulturellen Kontakt mit der Mongolei, China, Indien, Nepal, Persien und durch die natürliche Umgebung eine besondere Art von Energie entwickeln konnte, die hilfreich ist bei der Schaffung von geistigem Frieden und Glück".

Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama 

 

 

Das tibetische Hochland bildet durch die besondere geographische Lage inmitten von Asien ein wichtiges kulturelles Bindeglied. Über die früheren Handelswege der Seidenstraße fand nicht nur der rege Austausch von Waren statt, sondern auch von Gedanken, Philosophien, Weltanschauungen und Religionen. Das hat zur einmaligen spirituellen Kultur des Landes geführt mit den geistigen Wurzeln im Buddhismus aus Indien.

Tibethaus Berlin e. V. bemüht sich um den Erhalt der bedrohten Kultur Tibets, das sich infolge der jahrzehntelangen Besetzung und Unterdrückung durch chinesische Soldaten und der Massenübersiedlung von chinesischen Bürgern sehr verändert hat. Es besteht inzwischen die Gefahr, dass die eigene Sprache verloren geht und es droht der Verlust der kulturellen Identität. Gleichzeitig wächst das Interesse am Erhalt der geistigen Kultur Tibets in der westlichen Gesellschaft.

Unser Verein möchte in der Hauptstadt von Deutschland eine Schnittstelle bilden, die die tibetische Weisheitskultur und die moderne europäische Gesellschaft auf eine lebendige Weise miteinander in Verbindung bringen soll.

Die Schirmherrschaft von Seiner Heiligkeit, dem 14. Dalai Lama, ist angestrebt. Er hat den Wunsch geäußert, dass weltweit mehr Tibethäuser entstehen sollten.
 

Die drei konzeptuellen Säulen des Vereins:
  

  1. Kulturinstitut
  2. Buddhistisches Studienzentrum
  3. Netzwerk

 

1. Tibethaus Berlin e. V. ist ein Kulturinstitut zum Kennen lernen der tibetischen Kultur und der vom Buddhismus geprägten Länder Zentralasiens. Es möchte Ausstellungen über die Kunst und Musik, Filmdokumentationen und Vorträge über die geschichtlichen, ökonomischen und ökologischen Aspekte anbieten. Das sich in den Anfängen befindliche inhaltliche Programm soll möglich machen die tibetische Sprache und das indische Sanskrit zu erlernen und Vorträge und wird Seminare über die Grundlagen der tibetischen Naturheilkunde und Medizin, der Astrologie, des tibetischen Heilyoga und der tibetischen Zeichen- und Malkunst (s. Thangka) enthalten. 

2. Die buddhistische Kultur Tibets bietet die Möglichkeit Antworten auf die grundlegenden Fragen der Menschheit, wie die Transformation von Leiden, die Schaffung von nachhaltigen postiven Umständen und das harmonische Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Gesellschaften zu finden. Der Verein möchte das philosophische Studium und die praktische Anwendung der buddhistischen Lehren im persönlichen Alltag fördern und lädt zu diesem Zweck tibetische Meister und buddhistische Gelehrte aus dem Westen ein. Der Aufbau eines buddhistischen Literaturarchivs + Mediathek unter der wissenschaftlichen Begleitung und die Entwicklung eines modernern Bildungs- und Erziehungsprogrammes auf den Grundlagen des Mahayana- Buddhismus sind geplant.

3. Tibethaus Berlin e. V. möchte Netzwerk und Treffpunkt sein für alle an Tibet interessierten Menschen und die in Berlin lebenden Tibeter. Es möchte eine Gemeinschaft von Menschen bilden, die die wesentlichen menschlichen Eigenschaften der Güte, des Mitempfindens und der Weisheit gemeinsam entwickelt, um kulturübergreifenden Nutzen zu finden.

Wir bieten auf Wunsch auch soziale Beratung und konkrete Starthilfe für Flüchtlinge aus Tibet an.  

 

 

Zitate von Seiner Heiligkeit Dalai Lama:

 

 „Nach dem buddhistischen System der Zeitrechnung sind mehr als 2500 Jahre vergangen, seit der Buddha in das Parinirwana eingegangen ist. Die Welt hat sich in materieller Hinsicht sehr entwickelt, jedes Jahr gibt es neue wissenschaftliche Fortschritte und der Lebensstandard ist weltweit gewachsen. Die meisten Probleme der mehr als sechs Milliarden Erdbewohner werden, faktisch betrachtet, durch den Mangel an Liebe und Mitgefühl hervorgerufen. Die Menschheit ist mit vielen Problemen konfrontiert, angefangen von den individuellen Konflikten und den familiären Problemen, bis zum Streit zwischen den ethnischen Gruppen und den Nationen. Das ist auf den Mangel an Liebe und Mitgefühl zurück zu führen und viele Menschen haben dies verstanden. Wir haben den Punkt erreicht, wo sogar einige Politiker die Worte „Liebe“ und „Mitgefühl“ verwenden und Wissenschaftler auf die Tatsache hinweisen, dass Liebe und Mitgefühl wichtig sind zur Beibehaltung eines gesunden Geistes und Körpers. Deshalb ist es an der Zeit, den Sinn für Liebe und Mitgefühl in der Welt zu entwickeln. Diesen Standpunkt vertrete ich oft. Das 21. Jahrhundert wird für mich das Jahrhundert der Gewaltlosigkeit, der Liebe und des Mitgefühls.“       

Mundgod / Indien, 2008

 

"Ich denke, dass es zwischen Religion und Spiritualität zu unterscheiden gilt. Die religiösen Traditionen befassen sich nach meinem Verständnis mit dem Glauben an eine Erlösung, d. h. mit einem Aspekt, der von einer Form der metaphysischen oder philosophischen Wirklichkeit ausgeht, die möglicherweise den Gedanken an einen Himmel oder eine Hölle mit beinhaltet. Daraus resultieren die jeweiligen religiösen Lehren, die Dogmen, die Rituale und Gebete, während die Spiritualität sich mit den Qualitäten des menschlichen Geistes befasst. Dazu zähle ich die Liebe, das Mitgefühl, die Geduld, die Toleranz, die Vergebung, die Zufriedenheit, das Verantwortungsgefühl und die Harmonie, die uns selbst und den anderen Menschen das Glück bringt. Während das Ritual, das Gebet und die Frage nach dem Nirwana oder einer Erlösung in direkter Verbindung mit dem religiösen Glauben stehen, sind diese nicht unbedingt notwendig für die Entfaltung der inneren Qualitäten.  Es spricht also nichts dagegen sie weiter zu entwickeln und auf sehr hohem Grade. So gesehen ist es nicht unbedingt notwendig, sich auf ein religiöses oder metaphysisches Glaubenssystem zu beziehen. Das ist der Grund, warum ich manchmal erwähne, dass wir vielleicht auch ohne die Religionen auskommen könnten. Worauf wir jedoch nicht verzichten können sind die wesentlichen spirituellen Qualitäten." 

Auszug aus: The Pocket Dalai Lama, Hrsg. Mary Craig, Snow lion Publications, USA

 

 

"Ich glaube immer, dass es viel besser ist, wenn es eine Vielzahl an Religionen gibt, eine Vielzahl an Philosophien, und nicht nur eine einzige Religion oder Philosophie. Das ist notwendig auf Grund der unterschiedlichen geistigen Veranlagungen der Menschen. Außerdem hat jede Religion jeweils einzigartige Vorstellungen und Techniken und sie kennen zu lernen, kann nur bereichernd wirken auf den eigenen Glauben."

Dalai Lama Zitat entnommen aus:

Dominique Side: Buddhismus, Ein Grundlagenwerk für Lehrende, Lernende und alle Interessierten, Manjugosha Verlag, Berlin- Zeuthen 2010 (siehe auch: www.manjughosha.de)

 

 

 

Thema: Bildung und Erziehung im 21. Jahrhundert

 

Überblick über die XIX. Mind & Life Konferenz in den USA, 2009:

Educating World Citizens for the 21st Century

 

 

Wie wird sich unser Bildungssystem entwickeln, damit es den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechen kann? Wie werden wir unsere Kinder erziehen, damit sie mitfühlende, kompetente, ethisch engagierte Bürger einer zunehmend komplexen und vernetzten Welt werden?

Die dringenden Fragen der Globalisierung erfordern eine neue Vision von Weltbürgertum, das sich nicht mehr auf seine nationalen Grenzen beschränkt, sondern die moralische und ethische Verantwortung für die gesamte Menschheit umfasst. Die Heranwachsenden des 21. Jahrhunderts werden vor allem eine neue Ebene der interkulturellen Zusammenarbeit, der moralischen Verantwortung und der Kreativität entwickeln müssen. Sie brauchen die Fähigkeit, die Herausforderungen der gegenwärtigen Situation in der Welt, die ökonomischen, ökologischen, interkulturellen und religiösen Probleme zu bewältigen. Wir brauchen eine Form der Bildung, welche die jungen Leute dazu befähigt kompetente und mitfühlende Weltbürger zu sein. Wir brauchen eine Bildung, die sich nicht allein an den Maßstäben der kognitiven Fähigkeiten und dem Sachwissen orientiert, sondern die Aspekte des Herzens berücksichtigt, d. h. die Eigenschaften und Fähigkeiten des Bewusstseins, die auf der bewussten Selbstregulierung, der ethischen und sozialen Verantwortung, der Empathie und dem Mitgefühl für die anderen beruhen.

Die Mind and Life Konferenz XIX (2009) unter dem Vorsitz des Dalai Lama hat eine Reihe von weltbekannten Pädagogen, Wissenschaftlern und Kontemplativen zusammengeführt, um neue Wege in den Wissenschaften und der praktischen Anwendung von Bildung und in der Pädagogik zu erforschen. Sie sollen die positiven menschlichen Eigenschafen, dazu gehören die Achtsamkeit und das Gewahrsein, die Selbstkontrolle, die soziale Verantwortung und Sorge um das Gemeinwohl zum Nutzen von Kindern, Jugendlichen und derjenigen, die sich um die Bildung und Erziehung kümmern, weiter entwickeln. Der interdisziplinäre Dialog der Mind and Life Konferenz XIX möchte die unterschiedlichen Perspektiven und Erkenntnisse der pädagogischen Theorie und Praxis, der Philosophie, der Psychologie, der Neuro-wissenschaften und der Weisheit der kontemplativen Traditionen vorstellen. Sie hat die Absicht, eine Synergie der miteinander konvergierenden Disziplinen zu bilden, um die Vision einer Bildung zu inspirieren und zu unterstützen, die sich auf die Entwicklung der ganzen Person des Lernenden und des Pädagogen im Rahmen einer "sorgenden Schulgemeinschaft" richtet. Im Mittelpunkt des Dialoges steht die gemeinsame Vision von Bildungssystemen, aus denen mitfühlende, ethisch bewusste und engagierte Weltbürger mit großem Herz und weitem Geist entwachsen sollen. Ihre Fähigkeiten und Talente sollen nicht nur dem eigenen inneren Wachstum dienen, sondern dem Wohl der ganzen Welt zugute kommen.

Für die Pädagogen in den USA gibt es seit einiger Zeit ein imposantes Beispiel auf dem Gebiet des sozialen und emotionalen Lernens, i. e. einer Form der Bildung und Erziehung, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen helfen soll die grundlegenden sozialen und emotionalen Fähigkeiten zu entwickeln, die für das Leben notwendig sind. Es gibt wissenschaftliche Studien, die aufzeigen, dass SEL (siehe auch: Dan Goleman, Social and Emotional Learning) nicht nur eine positive Wirkung auf die Bildung des ethischen und sozialen Verhaltens bei Jugendlichen hat, sondern auch förderlich ist für das akademische Lernen. Der Erfolg des sozialen und emotionalen Lernprogramms hat die Lehrkräfte und Pädagogen dazu ermutigt, andere Praktiken, wie sie beispielsweise in den kontemplativen Traditionen benutzt werden, zu erforschen. Diese machen möglich die durch das soziale und emotionale Lernen unterstützten Fähigkeiten weiter zu kultivieren, zu stärken und auszudehnen.

Die großen kontemplativen Traditionen der Welt bieten nicht nur Weisheiten zu den ethischen „Schlüsseltugenden“ wie die Gewaltlosigkeit und die altruistische Sorge um das Wohl der anderen, sondern auch eine Fülle von erprobten Techniken. Hierzu zählen zum Beispiel die Meditation und die reflektierenden Übungen, die die oben genannten Tugenden wecken können. Es gibt erste ausführliche Studien, welche dokumentieren, wie die kontemplativen Praktiken zu einer besseren emotionalen Regulierung, zur erhöhten Aufmerksamkeit und inneren Ruhe, zum besserem Umgang mit Stressreaktionen und dem bewussten Kultivieren von Empathie bei Erwachsenen führen.

Die Neurowissenschaften haben damit begonnen die Evidenz der positiven Wirkung der kontemplativen Praxis auf den Geist, das Gehirn und den Körper von Erwachsenen zu präsentieren. Das führt zu den Fragen: Inwieweit kann die frühe Vermittlung der „gesunden Gewohnheiten“ des Geistes, des Herzens und des Körpers die Kinder und Jugendlichen stärken? Können die Vorzüge der kontemplativen Praktiken im Laufe eines Lebens zu einer nachhaltigen positiven und gesundheitsfördernden Wirkung führen? Als Startpunkt wurde die Erforschung praktischer Beispiele aus dem Gebiet der Förderung von Stressreduzierung, der Gesundheit und des Wohlbefindens in der Kindheitsphase und Adoleszenz gewählt. Im weiteren Mittelpunkt der wissenschaftlichen Forschung steht die Frage, auf welche Weise man Erwachsenen die kontemplativen Praktiken zugänglich machen kann, damit sie Eingang in das Leben von Kindern und Jugendlichen findet? Hier sind besonders die Eltern, Lehrer, Sozialpädagogen und ErzieherInnen angesprochen, die aufgrund der Vorbildfunktion und als Rollenmodell zu den Schlüsselpersonen der „Erziehung“ zählen. Die meiste positive Wirkung bei der Einführung der kontemplativen Praktiken ist dann zu erwarten, wenn die Eltern und Pädagogen die positiven Eigenschaften selbst in sich wachrufen können. Das gemeinsame Ziel ist also „selbst zum Wandel zu werden, den wir uns für die Welt wünschen“, so wie es Gandhi einmal formuliert hat. Da die Schule häufig zur stabilsten Umgebung eines Kindes oder Jugendlichen gehört, die den Risiken der adoleszenten Entwicklung ausgesetzt sind, können die in den Schulalltag integrierten Programme des emotionalen und sozialen Lernens den Kindern und Jugendlichen helfen die nich-takademischen Fähigkeiten zu entwickeln, die notwendig sind, um ein erfolgreiches und mitwirkendes Mitglied der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zu werden.

Es ist an der Zeit, dass die Wissenschaftler, Pädagogen, ErzieherInnen gemeinsam mit den kontemplativen Menschen planen und erforschen, wie die kontemplativen Praktiken eine Anwendung in den Schulen und Bildungseinrichtungen finden, und wie der besondere pädagogische Wert dieser Übungen genutzt werden kann. Die Einführung solcher Praktiken, die bislang in sehr alte Kulturen eingebettet waren, in den Rahmen des säkularen Settings einer öffentlichen oder privaten Schule, erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise, welche Personen mit einschließt, die über Expertisen in der pädagogischen Praxis, den angewandten und grundlegenden Wissenschaften und der Weisheit der kontemplativen Traditionen verfügen. Die Mind and Life Konferenz XIX möchte neue wissenschaftliche Wege erkunden, die zur Entfaltung der positiven menschlichen Qualitäten auf der Erde beitragen können, die in diesem Jahrhundert besonders wichtig werden.

 

Für weitere Informationen siehe: www.educatingworldcitizens.org